Es gibt Konzerte, die sind einfach unbeschreiblich. Wir sind gestern wieder an einen unserer "Stammkonzertorte" nach B. gefahren. Hier spielen wir mittlerweile seit 18 Jahren. Jedes Jahr im Advent. In der Kirche von B. darf man eigentlich keine Konzerte geben. Es ist ein moderner Betonbau mit einer unbeschreiblichen Überakustik, eigentlich ganz schlimm, und so ganz viele Besucher passen auch nicht rein. Aber hier gibt es den Jupp. Jupp ist, man ahnt es, der Pfarrer in B. Natürlich kein normaler Geistlicher, dann wäre das hier keinen Post wert. Es fängt mit Ankunft der Busse an: Die Glocken der Kirche läuten, sobald die Busse auf den Kirchplatz fahren, einmalig.. Vor zwei Jahren hat Jupp die damals neunen Busse noch eingesegnet, dafür extra noch Leute rekrutiert, einmalig.. Jupp selbst begrüßt uns Musiker mit einer Herzlichkeit und Überschwenglichkeit, das einem Angst und Bange werden kann. Wer ihm versehentlich die Hand gibt, was die einzige Alternative zur erdrückenden Umarmung ist, der riskiert den Ausfall des Konzertes, weil die Rechte quasi in einen Schraubstock gespannt wird. Mein "erstes Mal" werde ich jedenfalls nie vergessen.. Minutenlang habe ich ungläubig auf den Fleischklumpengeschaut, der erst langsam wieder die Form einer Hand annehmen wollte. Die Anspielprobe hier ist immer kurz, es hilft ja doch nichts gegen diese Akustik. Nach der Anspielprobe ist Imbiss im Pfarrheim, wo die Gemeindemitglieder alles geben, uns zu verwöhnen. Es ist gemütlich, heimelig und, nach mittlerweile 18 Jahren (ich erst 12) kennt man sich eben auch. Das Konzert wird frenetisch gefeiert, Jupp hat nachher fast die Tränen in den Augen, nachdem wir unseren Chef mit Mühe davon überzeugen konnten, das der Marsch "Graf Waldersee" in B. auch in einer Kirche als Zugabe "geht". Das Trio mit "Tochter Zion" ist Jupps Lieblingsstück.. Unser Chef hatte sein letztes Konzert in B., und entsprechend wurde das von Jupp gewürdigt. Wer einmal ein Tablett Pils auf dem Altar einer katholischen Kirche sehen will: Ab nach B... Im Anschluß an das Konzert versammeln sich alle, Orchester und Gemeinde, wieder im Pfarrheim, wo es gemütlich weitergeht, bis irgendwann die Rückfahrt auf dem Programm steht. Und so gibt es auch im nächsten Jahr wieder mindestens ein Konzert, das es eigentlich nicht geben dürfte...